Schwul ist cool – aber nicht nur im Juni

Warum Unternehmen auch über den Pride Month hinaus Flagge zeigen sollten

von Christina Esch

Regenbögen – Regenbögen soweit das Auge reicht. Vielleicht ist es Ihnen auch schon aufgefallen: Kaum zeigt das Kalenderblatt Juni an, schon verwandeln sich die Social-Media-Accounts von Unternehmen in Farbkästen so bunt wie eben nur möglich. Der Grund: Der erste Sommermonat ist weltweit traditionell der so genannte Pride Month, in dem die Freiheiten und Rechte der LGBTQ+-Community gefeiert, gestärkt, aufgearbeitet und diskutiert werden.

An diesem Projekt wollen sich Konzerne und Firmen beteiligen. Sie zeigen in ihren Profilen durch Logos in Regenbogenfarben und speziell auf diese Zielgruppe ausgelegte Posts Flagge – und ernten dafür teils harsche Kritik von denjenigen, die sie eigentlich ansprechen wollen. Warum das bei der Community mitunter nicht gut ankommt, hat nachvollziehbare Gründe.

Kapitalismus über Support – der Fehler im System

Was für Unternehmen und Außenstehende als klares Zeichen der Solidarität und damit positiv bewertet wird, stößt einigen Mitgliedern der angesprochenen Zielgruppe sauer auf. Der Grund ist nicht etwa Undankbar- oder Bitterkeit, sondern liegt viel mehr in der vermeintlichen Intention der Aktion. Profitgier, Absatzsteigerung und ein positives Image, nicht etwa die wirkliche und hilfreiche Unterstützung der Community scheinen hinter der frommen Bekundung zu liegen. Und tatsächlich erhärtet sich dieser Verdacht in vielen Fällen. Kommen zahlreiche Unternehmen im Juni gar nicht aus dem kunterbunten Bekenntnis zu Freiheit, Liebe und ihren nicht-heterosexuellen Mitarbeiter*innen heraus, tun sie im Rest des Jahres herzlich wenig dafür, einen echten Unterschied in der Welt und für die Community zu machen.

Viel Lärm (und Farbe) um nichts

Die Kritik der Betroffenen liegt also auf der Hand. Während es zwar lobenswert und eine nette Geste der Offenheit ist, sich im Sommer mit den Farben der LGBTQ+-Gemeinschaft zu schmücken, reichen dieser einfache Farbwechsel und ein paar launige Posts nicht aus, um sich den Respekt und die Dankbarkeit der Community zu verdienen. Im Gegenteil: Das „Sichschmücken“ wird aufgefasst als Ausdruck der Selbstdarstellung bzw. Imagepolitur und damit als ein Versuch, sich solidarischer darzustellen, als man eigentlich ist. Ähnliches erlebte im letzten Jahr die „Black Lives Matter“-Bewegung, als viele Menschen und Unternehmen auf ihren Profilen komplett schwarze Bilder teilten, um ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Auch hier galt: Eine nette Aufmerksamkeit, aber für die erhoffte Veränderung viel zu wenig.

Flagge zeigen: Ja – aber bitte authentisch

Weitaus hilfreicher wäre es, die Community langfristig und gezielt mit tatsächlichen Aktionen zu unterstützen – beispielsweise durch die Steigerung der Akzeptanz für LGBTQ+-Mitarbeiter*innen am Arbeitsplatz, Maßnahmen für die Gleichstellung der zu dieser Gruppe gehörenden Angestellten sowie die Sensibilisierung heterosexueller Teammitglieder und regelmäßige Spenden an LGBTQ+-Organisationen und -Projekte.

Das Fazit für die Unternehmenskommunikation ist also so eindeutig wie die Offenheit gegenüber und der Support der LGBTQ+-Community sein sollte: Zeigen Sie als Unternehmen im Pride Month gern Flagge – aber versinken Sie nicht in folgenloser Selbstdarstellung. Nicht nur reden, sondern tatsächlich etwas Gutes tun, ist hier angesagt.

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