Video killed the photography star?

Was die Neuausrichtung von Instagram für Unternehmen bedeutet

von Lisa Krawczyk

Als Snapchat zum Trend wurde, hat Instagram die Stories eingeführt – und die Konkurrenz erfolgreich abgehängt. Als YouTube zum Platzhirschen für Videoinhalte wurde, hat Instagram IG TV gelauncht. Und als TikTok durchstartete, wurden die bestehenden Videoformate um Reels ergänzt – doch diese Strategie scheint diesmal nicht auszureichen, um Instagrams Vormachtstellung nachhaltig zu sichern.

Am 30. Juni 2021 veröffentlichte Adam Mosseri, Head of Instagram, ein Video, in dem er Veränderungen auf der Social Media Plattform ankündigte. Diese betreffen vier Bereiche: Creators, Shopping, Messaging und Video. Letzteres wird anscheinend zunächst im Fokus stehen.

„We are no longer a photo sharing app”

Wir sind nicht länger eine App zum Teilen von Fotos – so die Kampfansage, die folgte. Und die bei vielen, insbesondere kleinen Unternehmen, für die Instagram ein wichtiger Marketingkanal und eine unverzichtbare Schnittstelle zur Kundschaft ist, für großes Aufregen sorgte. So groß, dass Mosseri einige Tage später eine weitere Videobotschaft veröffentlichte, an deren Ende er erklärte: „We still love photos, I promise. Auch wenn die Möglichkeiten, im Feed oder in den Stories Bilder zu posten, unangetastet bleiben, so heißt das nicht, dass alles beim Alten bleibt. Im Gegenteil.

Instagram bleibt eine App, in der auch Fotos geteilt werden. Aber sie ist eben noch viel mehr. Da wären die Videos in den Stories, IG TV, die Reels, die Live-Übertragungen und wer weiß, welche Formate bald noch hinzukommen. Denn, wie Mosseri sagt, Instagram wolle „bildschirmfüllende, unterhaltsame, packende, mobilfreundliche Videos“ fördern. Und wer diese Nische, die eben längst keine Nische mehr ist, nicht bedient, der wird langfristig auf der Strecke bleiben.

Was heißt das für Unternehmen?

Macht Videos! Bewegtbilder dürfen in keinem Content-Mix mehr fehlen. Um aus der Masse herauszustechen, sollte der Content zwei Voraussetzungen erfüllen:

1. Er sollte unterhaltsam sein. 
Ein Grund, wieso Instagram auf den Video-Hype aufspringt, ist folgender: Die Nutzer:innen verlangen nach Entertainment. Das sah Mosseri in seinen Statistiken bestätigt. Nicht nur in Pandemie-Zeiten suchen die Menschen an ihren Bildschirmen nach Ablenkung und Zerstreuung.

Ein Foto kann zwar schön anzusehen oder eine Grafik sehr informativ sein, aber unterhaltsam sind statische Bilder eben nur selten und wenn, dann wird trotzdem schnell weitergewischt/-gescrollt. Aber keine Sorge: Zum Slapstick-Star muss dennoch niemand werden, denn Unterhaltung hat viele Facetten. Hier ist Kreativität gefragt!

2. Er sollte vertikal funktionieren.
Soziale Medien werden fast ausschließlich auf mobilen Endgeräten genutzt und deren Ausrichtung ist nun mal in der Regel vertikal. Ist ein Video im Hochkant-Format produziert, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass es in der mobilen Nutzung zu Ende geschaut wird, schließlich halten wir sowieso 96 % der Zeit unser Smartphone hochkant in der Hand. Die schönste Panorama-Einstellung wirkt hochkant angeschaut auf dem kleinen Smartphone-Bildschirm einfach nicht. Das 9:16-Format zwingt dazu, ganz genau darüber nachzudenken, was in den Fokus rücken soll. Besser als Produkte oder Gebäude etwa lassen sich vor allem Menschen in Szene setzen. Und darum geht es letztlich ja auf Social Media: die Verbindung zu anderen. Also lasst es menscheln! Instagram bietet außerdem bei seinen Reels die Möglichkeit, die kurzen Videosequenzen gleich in der App zusammenzuschneiden und mit Musik und Co. zu bearbeiten. Extra Software für den Schnitt oder Ähnliches ist damit weitestgehend überflüssig und das Fehlen ebenjener somit keine Ausrede mehr.

In der Herausforderung liegt eine Chance

Aller Anfang ist schwer. Aber die Arbeit kann sich auszahlen. Denn:

  • … Instagram arbeitet schon jetzt an neuen Features, die zum Ziel haben, dass Nutzer:innen in ihren Feeds vermehrt Videos ausgespielt werden – und zwar auch von Accounts, denen sie nicht folgen. Wichtig sind dabei die Themenpräferenzen der User:innen. Will heißen: Wer sich für Technik interessiert, sieht mehr technikbasierte Inhalte und zwar potenziell auch von Marken, die er oder sie noch nicht kennt. Damit bekommen Unternehmen die Chance, sich potenziellen Neukunden zu präsentieren. That’s nice, isn’t it?
  • … man generiert mit Video-Content auf Instagram, insbesondere mit den Reels, generell eine sehr große Reichweite. Ein eindrucksvolles Beispiel hat vor Kurzem YouTube-Heimwerkerkönig Fynn Kliemann gebracht. Er hat in seinen Stories seine Videoaufrufe auf Instagram geteilt und mit YouTube verglichen. Sein Fazit: YouTube kann einpacken. Und guckt man etwa auf die Views der deutschen Vorzeige-Influencerin Pamela Reif, so konnte diese auf IG TV im Schnitt circa eine Million Videoansichten verbuchen – bei ihren Reels dagegen mehr als dreimal so viele. Kein Wunder, dass ihr letztes IG-TV-Video über ein halbes Jahr alt ist.

In diesem Sinne: Ran an die Smartphones aaaand action!

(Und wer sich partout nicht traut, keine Inspiration findet oder einfach zu busy ist, kann seine Content-Erstellung für die sozialen Medien auch in die vertrauensvollen und kompetenten Hände einer Agentur legen. In unsere zum Beispiel, just saying 😉 )

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